Expedition Wedding: Plötzensee im Dezember
Seitdem unser Badezimmer zur Dunkelkammer umgebaut wurde sitze ich oft stundenlang auf dem Klo. Im wahrsten Sinne des Wortes: der Vergrößerer steht auf einem Stuhl genau vor dem Klo. Ich kann die Bequemlichkeit des modernen Fotografen nachvollziehen, dass der Aufwand sich mit korrekter Belichtung, Entwicklung des Films, Chemikalien, Temperaturen, Wasser – viel Wasser und der eigentlichen Belichtung auseinander zu setzen, unter dem finanziellen und zeitlichen Druck, nicht rentiert. Was mich dabei so geil auf diesen Aufwand macht, ist die Tatsache, dass man die Fotografie in verschiedene essentielle Partikel auseinander nimmt und die Komplexität eines Fotos dadurch enorm steigt. Auch wenn man nischt sieht.
Es ist jetzt fast zehn Jahre her, dass ich in die hohe Kunst der Fotografie eingeweiht wurde, allerdings in der redaktionellen Spalte. Ich musste damals "sehen" lernen, sechs bis acht Stunden am Tag im "Fotoraum" hunderte von Dias nach bestimmten Kriterien anschauen, sortieren und Layouts gestalten. Mit dem Wissen kam der Anspruch und somit die Anforderung an die Fotografen. Zeitgleich wurden die Fotografien von den Lithographen ausgewertet, gescannt (auf einem Drumscan – gibt es so etwas heute noch?) sowie farbkorrigiert, damit das Foto in optimalen Farbverhältnissen für Hauttöne gedruckt werden konnte. Und die Lithographen hatten auch ihre Bedingungen, wie tief die Schatten und wie heiss die hellen Stellen sein dürfen. Trotzdem, die Kreativität des Bildes lag im Vordergrund – gefolgt von technischen Einheiten.
Ähnlich wie bei einer Webseite sehen die meisten Leute bunte Bildchen, aber kein Normalverbraucher schaut sich den Code an – und die Bildchen sind ja auch nur Pixel.
Nikon FE 2 / Ilford HP5 Plus / foma Normal
Kommentieren